Hippologica 2012

Jörg Bös auf Hippologica 2012Die Messe in Berlin war mein letzter Langeinsatz in diesem Jahr. Auf Anregung der EWU Berlin- Brandenburg und dem Reit- und Fahrverband Berlin-Brandenburg war es meine Aufgabe die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des
Western – und Klassisch Reiten in einem Schaubild darzustellen.
Als Reiter hatten sich Julia Voigtländer mit dem Hengst „Royal Rubin“ und Etienne Hirschfeld mit dem Quarter „BD Top Bar“ freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Mit diesen beiden Reitern hatten wir sehr gute Repräsentanten ihrer jeweiligen Reitweise, deren Offenheit und Aufgeschlossenheit ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm incl. Pferdewechsel ermöglichten.
Die gut darstellbaren Exterieurmerkmale der beiden Pferde konnten sehr anschaulich die jeweiligen Bewegungsdynamiken abbilden und den Zuschauern zumindest einen groben Einblick in die Zusammenhänge zwischen der Anatomie und die allein daraus resultierenden Unterschiede in den Gängen geben.

Das Ziel in der Warmblutzucht ist ein sich elastisch bewegendes Pferd mit raumgreifenden Bewegungen.
Das heutige moderne Dressurpferd mit seiner langen Vorderröhre, seinem höheren Halsansatz, dem längeren schwingenden Rücken und der gut gewinkelten und Sprungfedernähnlichen Hinterhand führen zu einem Pferd mit sehr raumgreifenden Tritten in eleganter Aufrichtung – Im Militäreinsatz (hierauf begründet sich die Warmblutzucht) war dies natürlich zur Optimierung der Truppenbewegung aber auch als sehr imposantes äußeres Erscheinungsbild in der Schlacht gewünscht.

Das Quarterhorse ist ein Arbeitspferd, welches sehr ruhig und gelassen in einer Rinderherde arbeiten können sollte. Es sollte klein und wendig mit eher wenig schwunghaften Bewegungen ausgestattet sein und über eine große Sprintfähigkeit verfügen – so hat man also ein gut bemuskeltes Pferd, mit deutlich kürzerer Vorderröhre, spitzerem Buggelenkwinkel und deutlich tiefer angesetztem Hals gezüchtet. Die Kruppe ist stark abfallend und das Sprunggelenk höher angesetzt. Dies bewirkt eine größere Schubkraft- als Tragkraftentwicklung. Imposant im eigentlichen Sinne musste ein Quarterhorse nicht sein ;-

Viele, viele Unterschiede schon bei alleiniger Betrachtung der jeweilig bevorzugten Pferderassen.
Hilfengebung, Equipment, hochstilisierte Lebensphilosophien etc. pp. lassen wir mal gerade außen vor, denn das würde jeden Rahmen sprengen……

Wo sind denn nun die Gemeinsamkeiten?????

Die Gemeinsamkeit liegt in der Verantwortung, die JEDER Reiter völlig reitweisenunabhängig für das ihm anvertraute Pferd übernimmt, sobald er sich auf dessen Rücken setzt und es zu einem Reitpferd ausbildet bzw. es als solches nutzt. Wir sollten also viel mehr Energie in das Begreifen der funktionell-anatomischen Zusammenhänge und den daraus resultierenden Bedürfnissen unserer Pferde stecken.
Anstatt über „die anderen“ mit ihren vermeintlich blasiert aufgerichteten Warmblütern bzw. vermeintlich flach dahinschlurfenden Westernpferden die Nasen zu rümpfen, sollte jeder Reiter doch versuchen, zunächst einmal an sich und seinen Fähigkeiten zum Wohle seines Pferdes zu arbeiten.

Auch auf der Hippologica habe ich mir zum Abschluß des Schaubildes erlaubt Egon von Neindorff zu zitieren, der sagte: „Bei uns im Stall werden keine Reitweisen geritten – bei uns im Stall werden PFERDE geritten“
Jörg Bös auf Hippologica 2012Dazu sah man einen entspannten Warmbluthengst unter Etienne Hirschfeld auf dem Zirkel galoppieren und den völlig gelassen abschnaubenden Quarter unter Julia Voigtländer fliegend durch die Bahn wechseln.

Dieses Bild hat mich wieder sehr stark darauf aufmerksam gemacht, welche Macht Pferde besitzen uns Menschen einander näher zu bringen.
Wenn zu Beginn der Vorstellung noch erstaunte Blicke über das unterschiedliche Aussehen der Pferd-Reiterkombination im Publikum zu sehen war und dies durch den Pferdetausch noch gesteigert wurde, so war es schön zu beobachten, dass zumindest in einigen Gesichtern ein AHA-Effekt zu sehen war, als die Pferde auf diesen so gelassen reagierten.
Daran sieht man, wie sehr wir Menschen uns an Äußerlichkeiten festhalten, statt das Wesentliche wahrzunehmen.

Wir sollten uns gerade für das neue Jahr vornehmen, nicht die Unterschiede im Äußerlichen zu suchen, sondern wie die Pferde das Wesentliche in den Focus zu rücken – egal welche Reitweise!
Wir sollten uns eins auf die Fahne schreiben: Das Bestmögliche für den Partner Pferd zu erreichen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Pferdebegeisterten ein frohes und gesegnetes 2013!!

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